Carajillo - spanischer Kaffee
Autor: Heiko Kahlisch | 21. Dezember 2023
Wenn spanischer Kaffee zubereitet werden soll, ist damit meist ein Carajillo oder ein Café con leche als Kaffeespezialität gemeint. Vor Ort gilt er zumindest für Kaffeeliebhaber mittlerweile als spanisches Nationalgetränk.
Klingt bedeutungsschwer, ist es jedoch genau genommen eher nicht. Kaffee mit einem Schuss Alkohol gibt es schließlich in vielfältigen Formen und Rezepten. Trotzdem, die Spanier lieben ihre Variante zu Recht.
Kaffee mit Rum
Sinngemäß übersetzt, bedeutet der Name "Mut" und stammt vom spanischen coraje. Glaubt man der Überlieferung, kamen die Soldaten der Truppen Spaniens bei der Eroberung von Kuba auf die Idee. Sie gaben Rum in ihren Kaffee, um davon mutiger zu werden. Das war bereits im 16. Jahrhundert und ist Geschichte.
Den Effekt im angetrunkenen Zustand gefühlt Bäume ausreißen zu können, wird wohl niemand bestreiten. Dieses besondere Glücksgefühl stellt sich auch nach dem Trinken eines Carajillo ein. Je nachdem wie viel Rum in den Kaffee kommt.
Carajillo Rezept
Auch wenn in das Original nur Rum gehört, die Zubereitung muss nicht so eng gesehen werden. Ebenso gut klappt sie mit Brandy, Anislikör oder Whisky. Hauptsache die Prozente stimmen, denn bei der heißen Variante wird der Carajillo flambiert. Nur geschmacklich bekommt er natürlich jeweils eine andere Ausrichtung.
- 1 starker Espresso (25 cl)
- 2 cl Rum (oder Brandy)
- 1 Tl Zucker
- Cappuccino-Tasse oder Tumbler-Glas
Den Rum in die Tasse oder das Glas gießen und anzünden. Einen Teelöffel mit Zucker in die Flamme halten und karamellisieren lassen. Dann den Zucker in die Tasse geben und mit dem Espresso ablöschen.
Spezielle Carajillo-Gläser sind nicht nötig. Tumbler reichen völlig aus. Die Espresso-Mischung sollte aus 60% Robusta und 40% Arabica bestehen.
Die einfache Version verzichtet auf das Flambieren. Der Rum kommt einfach in den Espresso. Im Sommer trinken die Spanier ihn mit Eiswürfeln und Anislikör, mitunter aromatisiert mit Zitronenzesten.
Was schmeckt besser - Brandy oder Rum?
Das bleibt wirklich Geschmackssache. Stilecht wäre es mit einem spanischen Brandy aus Jerez de la Fontera am Atlantik. Er wird wie Sherry im Solera-System gelagert d.h., die Fässer unterschiedlicher Jahrgänge liegen in Schichten übereinander und werden mehrstufig miteinander verschnitten. Das kann dauern. Beim Gran Reserva über 3 Jahre.
Beim Rum wird´s schwierig, denn das Angebot ist riesig. Hier hilft nur durchkosten. Als sehr grobe Orientierung für die Verwendung im Carajillo helfen Farbe, Süße und Alkoholgehalt. Brauner Rum ist aromatischer als weißer.
"Im Kaffee schmeckt vielen Rum mit einer moderat süßen bis sehr süßen Noten besonders gut."
Ideal geeignet ist ein Alkoholgehalt um die 40%. Je älter, desto besser. Aber leider auch desto teurer.
FAQ für Carajillo
- Mit welchen Spirituosen kann man Carajillo zubereiten?
Neben Brandy und Rum eignen sich auch Whisky, Anislikör oder der spanische Licor 43 für einen Carajillo. - Wann wird Carajillo getrunken?
In Spanien und Lateinamerika trinkt man ihn zu jeder Tageszeit, als Muntermacher am Morgen, Digestif nach dem Essen oder zum Ausklang des Tages am Abend. - Gibt es Varianten des Carajillo?
Ja, z.B. der mexikanische Carajillo mit Licor 43 auf Eis, der „Tarifa“ (heißer Espresso geschichtet auf kaltem Likör), oder der „Barraquito“ von den Kanaren mit Kondensmilch, Milch und Gewürzen. - Kann der Carajillo alkoholfrei zubereitet werden?
In der Regel enthält Carajillo Alkohol. Es gibt jedoch abgewandelte Rezepte mit alkoholfreiem Kaffeelikör. Allerdings zählt er dann nicht als echter Carajillo. - Wozu passt ein Carajillo?
Er passt hervorragend zu Desserts, Schokolade oder spanischem Gebäck wie Churros und Mandelkuchen.
Autor: Heiko Kahlisch
Wie in so vielen Gründergeschichten wurde aus einer Leidenschaft mehr als nur ein Hobby. Heiko erfüllte sich 2014 einen Traum. Er gründete die Kaffeerösterei Docklands Coffee. Seitdem werden dort aus fast 100 Sorten hochwertige Bohnen langsam und schonend im Trommelröster geröstet.
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